Gesetzliche Grundlagen

In Deutschland sind Straftatbestände und deren Strafmaß im Strafgesetzbuch (StGB) geregelt. Der Straftatbestand des Menschenhandels (Frauenhandel ist kein formaljuristischer Begriff) wurde 1973 zum ersten Mal unter § 181 StGB (alte Fassung) eingeführt und zuletzt 2005 erweitert und modifiziert.

Mit der Unterzeichnung des Zusatzprotokolls zur Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung des Menschenhandels, insbesondere des Frauen- und Kinderhandels, zum Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität vom 15. November 2000 (das sogenannte Palermoprotokoll) sowie durch den Rahmenbeschluss des Rates der Europäischen Union vom 19. Juli 2002 zur Bekämpfung des Menschenhandels wurde der strafrechtliche Menschenhandelsbegriff nach dem 37. Strafrechtsänderungsgesetz in Deutschland im Jahr 2005 auch auf die Ausbeutung der Arbeitskraft erweitert. Vormals war lediglich Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung strafbar, nun eben auch Arbeitsausbeutung und Formen von Zwangsarbeit oder Zwangsdienstbarkeit und Sklaverei oder sklavereiähnliche Praktiken. Außerdem wurden die Strafrahmen angehoben.

Nach dem Gesetz gilt es, die folgenden Straftatbestände zu differenzieren:

  • § 232 StGB    (Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung)
  • § 233 StGB    (Menschenhandel zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft)


Alle oben genannten Straftatbestände sind sogenannte Offizialdelikte, d. h., sie werden auch dann weiterverfolgt, wenn die Zeugin/der Zeuge keine Anzeige erstattet oder ihre Aussage zurücknimmt. Dies resultiert aus dem Prinzip, dass der Strafanspruch dem Staat zusteht und ohne Rücksicht auf den Willen der Verletzten von Amts wegen verfolgt wird.


(Quelle: KOK - Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Frauenhandel und Gewalt an Frauen im Migrationsprozess e.V. (2012): Handbuch zur Aus- und Fortbildung und Qualitätssicherung für Fachberatungsstellen für Betroffene von Frauen-/Menschenhandel. Teil 2 - Rechtliche Grundlagen. Kap. 1, S. 1.)