Fallbeispiel Sexarbeit

 

Tanja ist eine intelligente und aufgeschlossene junge Frau und wohnt mit ihrer Familie in der Nähe von Kiew.  Sie ist 21, hat die Schule beendet, aber keine Ausbildungsstelle gefunden. Ihr Freund und Tanja wollen heiraten doch ein fester Arbeitsplatz und das Geld zum Leben fehlen ihnen noch dazu.

Eines Tages kommt der langjährige Bekannte der Familie zu Besuch und eröffnet ihr die Möglichkeit nach Deutschland zu reisen, in einem Restaurant zu arbeiten und Geld zu verdienen. Das Geld wäre genung um selbst etwas zu sparen und dazu noch die Familie in der Heimat zu unterstützen. Dieser verlockenden Chance kann Tanja nicht wiederstehen und sagt zu. Sie vertraut ihm.

Nach kurzer Zeit beginnt für Tanja die Reise ins vermeintliche Glück. Ausgestattet mit einer kleinen Reisetasche, ihrem Pass, 200 $ für die Reise. Die Einreise nach Polen ist legal und verläuft problemlos. Kurz vor Deutschland soll Tanja ihren Pass abgeben und sich in einem LKW verstecken, da die Einreise nicht "normal" von statten gehen kann. Tanja wird skeptisch, tut aber wie ihr geheißen. Im LKW sind noch weitere Personen, versteckt wie sie selbst.

Nach langer Fahrt treffen sie in Berlin ein. Tanja soll 3000 Euro für die Reise bezahlen. Von dieser Vereinbarung wusste Tanja nichts und ahnt bereits, dass etwas schief gelaufen ist. Man offenbart ihr, dass sie in einem Bordell arbeiten muss, da sie das Geld nicht anders aufbringen kann. Sie kommt in ein Berliner Bordell und muss mehrere Freier pro Tag bedienen. 70% ihrer Einnahmen muss sie an ihre Zuhälter abgeben, von den restlichen 30% ihren "Reisekredit" abzahlen und für ihre eigene Kleidung und Verpflegung aufkommen.

Tanja hat Angst und empfindet ihre Situation als ausweglos. Sie spricht kein Deutsch. Als "Illegale" würde sie von der Polizei schlecht behandelt werden, drohen ihr ihre Zuhälter. Einen "Besuch" würden sie ihrer Familie abstatten, wenn Tanja flieht.

Bei einer Razzia der Polizei wird sie festgenommen. Sie hat Angst vor dem was kommt, doch merkt sie auch, dass sie nicht nur "Täterin" wurde, sondern auch ein Opfer von Menschenhandel ist. Die Polizei klärt sie auf über die Möglichkeit auf, sie geschützt bei einer Organisation unterzubringen. Auch bei ihrem Wunsch, endlich ihre Familie wiederzusehen, wird man sie unterstützen.

Tanja kommt zu KOBRAnet.