Fallbeispiel Heiratshandel

 

Fara, eine junge Frau aus Kamerun, stammt aus einer gebildeten Familie. 
Mit dieser lebt Fara in einer größeren Stadt.

Eines Tages kommt ihre Familie in Kontakt mit einem Mann aus Deutschland.
Er ist anfang 60 und auf der Suche nach einer jungen hübschen Frau zum Heiraten.

Faras Eltern sind sehr interessiert daran ihre Tochter zu verheiraten, da diese bereits
25 ist und vier Jahre zuvor ein uneheliches Kind gebar.

Die Familie wird sich schnell mit dem Bewerber über den Preis für ihre Tochter einig.
Die Hochzeit findet noch im selben Monat statt und der deutsche Mann adoptiert den vierjährigen Sohn von Fara noch in Kamerun. Bald nach der Hochzeit reist der Mann mit Fara und ihrem Sohn nach Deutschland. Hier meldet er sich bei der ARGE arbeitslos, beantragt ALG II und veranlasst, dass alle Sozialleistungen für die Familie (auch das Kindergeld für den vierjährigen Sohn) auf sein Konto gezahlt werden. Fara beherrscht weder die deutsche Sprache, noch ist sie mit den deutschen Gepflogenheiten vertraut. Sie ist zu Hause, während ihr Mann alles erledigt. Faras Sohn hat er im Kindergarten angemeldet. Fara ist isoliert und fühlt sich allein.

Zunehmend versucht ihr Mann Fara wieder loszuwerden, auch unter Anwendung von Gewalt. Schließlich kommt es zur Eskalation, bei der er Fara schlimm verprügelt und vor die Tür setzt. Die Polizei nimmt Fara und ihren Sohn mit und stellt Kontakt zu einem Frauenschutzhaus her. Doch Fara will umgehend wieder nach Hause zu ihrem Mann, da sie um ihr Recht auf Aufenthalt bangt. Noch auf der Dienststelle der Polizei telefoniert Fara mit ihrem Vater in Kamerun, der ihr einschärft die Ehe aufrecht zu erhalten.

Inzwischen hat das Frauenschutzhaus Kontakt mit KOBRAnet aufgenommen, da im Fall von Fara und ihrem Sohn der Verdacht auf Menschenhandel besteht. KOBRAnet übergibt Fara mit Hilfe der ermittelnden Polizei einen Brief und ein Handy. Über das Handy bittet Fara KOBRAnet um Hilfe beim Belegen eines Deutschkurses.

Doch dann kommt es zu einer erneuten Gewalteskalation, als Fara mit ihrem Mann zu Besuch bei dessen Freunden in Tschechien ist. Ihr Mann fordert Fara dazu auf, einigen seiner Freunde sexuelle Dienste zu erweisen. Als sie sich weigert, schlagen und misshandeln sie die Männer und versengen ihr die Haare.

Im Krankenhaus eröffent ihr die Sozialarbeiterin, dass sie in einem Frauenhaus unterkommen könnte. Dies lehnt Fara ab, da ihr Sohn noch in der Wohnung ihres Ehemanns ist. Fara geht, als sie entlassen wird, zu ihrem Mann zurück.

Nach einem Urlaub bei Verwandten in Süddeutschland, verwehrt ihr der Mann den Zutritt zur gemeinsamen  Wohnung. Den Jungen allein hätte er wieder bei sich aufgenommen. Daraufhin alarmierte Fara die Polizei, welche sie und ihren Sohn in das Frauenschutzhaus brachte. Das Frauenschutzhaus unterstützt Fara bei allen Formalitäten zur Trennung von ihrem Mann und der Wahrnehmung ihrer Rechte. Eine Mitarbeiterin des Frauenschutzhauses begleitet sie auch zu einer Anwältin. Hier schildert Fara erstmals ausführlich die Gewalt, die ihr widerfahren ist.

Inzwischen ist Fara von ihrem Mann geschieden und hat gemeinsam mit ihrem Sohn in Deutschland Fuß gefasst. Ihr Aufenthalt ist gesichert, sie hat einen Job und ihr Sohn besucht die Schule.